Kreative und nachhaltige Entwicklung von Lebensräumen

 



raum_BLICK - Rückblick & Überblick

Unser Gewinnerprojekt des Wettbewerbs "Seestadt nachhaltig mobil":  Die SeestadtSCHLANGE.

 

Ein Schulbus auf Beinen.

Den Schulweg zum Erlebnis machen

Der gemeinsame Schulweg mit FreundInnen kann ein wichtiger Erlebnisraum für Kinder sein, in welchem Nachbarschaftsbeziehungen und Freundschaften gepflegt werden und die Eigenverantwortung der Kinder gestärkt wird. Das sichere Verhalten im Straßenverkehr wird geübt und die tägliche Bewegung an der frischen Luft unterstützt.

Es ist allerdings häufig der Fall, dass Kinder von ihren Eltern mit dem Auto in den Kindergarten oder in die Schule gebracht bzw. von dort abgeholt werden. Oft ist die Absicht dahinter, dass das Kind sicher im Kindergarten/ in der Schule ankommt. Dabei wird den Kindern jedoch die Chance genommen, dass sie selbst ein sicheres Verhalten im Straßenraum erlernen. Zudem erhöht sich das Verkehrsaufkommen im Umfeld der Schulen dadurch und es kommt zu einer verschärften Verkehrssituation. Durch Pedibus-Projekte kann dem entgegengewirkt werden. Es handelt sich dabei um einen „Bus auf Füßen“, der von Schul- und Kindergartenkindern auf dem Weg zur Bildungseinrichtung und nach Hause gebildet wird. Die Kinder treffen sich an vereinbarten „Haltestellen“, werden dort von einer erwachsenen Person abgeholt und gehen dann gemeinsam in die Schule oder in den Kindergarten. Auf dem Weg dorthin werden weitere Kinder, also „Passagiere“, an Haltestellen abgeholt. Es kann eine Rollenverteilung geben, z.B. einen „Busfahrer“, der die Gruppe anführt und einen „Kontrolleur“, der für das sichere Überqueren von Straßen und für Ordnung sorgt. Nach dem Unterricht kann sich der Pedibus dann auf denselben Routen auf den Nachhauseweg machen. Durch die fix ausgewählten Routen mit vereinbarten Haltestellen und einem fixen Fahrplan wird garantiert, dass die Kinder sicher und pünktlich in die Schule bzw. Kindergarten und wieder nach Hause kommen. (vgl. Schulen mobil, 2010, S. 7) Das Konzept des Pedibus wurde 1992 vom Australier David Engwicht unter dem Namen „Walking Bus“ („der gehende Bus“) entwickelt. Das Hauptziel von Engwicht war es den Kindern (wieder) die Möglichkeit sich frei und selbstständig in deren unmittelbarer Umgebung frei bewegen zu können, da diese heute oftmals in ihrer Bewegungsfreiheit „beraubt“ wurden. Laut Engwicht führt dies zu negativen psychologischen und emotionalen Folgen in Entwicklung. Weiters ist ein Ziel der Pedibus-Projekte die Reduzierung des Verkehrsaufkommens und die Steigerung bzw. Förderung der körperlichen Betätigung der Kinder. (vgl. Schulen mobil, 2010, S. 27)


In Österreich gibt es einige (ländliche) Gemeinden und Regionen, in denen ein Schulbus auf Beinen organisiert wird. In Wien gibt es bislang nur kleine, privat organisierte Projekte.


Mit Unterstützung der Wien 3420 aspern development AG und dem Stadtteilmanagement Seestadt Aspern organisiert die raumstudien OG in der Seestadt Aspern, die grundsätzlich ideale Voraussetzungen zum Zu-Fuß-Gehen bietet, die erste SeestadtSCHLANGE zum Kindergarten der Wiener Kinderfreunde. Das Projekt ist angelehnt an andere Pedibus-Projekte:

An Haltestellen treffen sich Kinder gemeinsam und gehen mit einer Begleitperson gemeinsam in den Kindergarten. Teilnehmende Kinder erhalten eine Urkunde. Das Projekt soll/kann auf die anderen Kindergärten und die Volksschule ausgeweitet werden. Die Vorteile der SeestadtSCHLANGE liegen klar auf der Hand: tägliche Bewegung an der frischen Luft, Förderung der sozialen Kompetenz (Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Rücksichtnahme etc.), Eigenverantwortung, spielerische Erfahrung im Straßenraum, Spaß, Entlastung der Eltern, Vermindern des Verkehrsaufkommens, Verkehrssicherheit durch das Auftreten in Gruppen, umwelt- und klimafreundlich.

Für nähere Informationen kontaktieren Sie uns gerne unter office@raumstudien.at 

Quellen



Aktuelle Herausforderungen der Raumplanung – Ein Beitrag über die Wechselwirkung von Zersiedelung, Mobilitätsverhalten und Energieraumplanung

  

Österreich ist, abgesehen von den größeren Städten, stark von zersiedelten Räumen geprägt. Die Zersiedelung und ihre Folgen sind eine aktuelle Thematik der Raumplanung und Raumordnung. Die negativen Auswirkungen zeigen sich nicht nur in Landschaft und Umwelt, wie etwa durch die Zerstörung des Raums sowie die extensive Ressourcennutzung für den Infrastruktur- und Siedlungsbau als auch die resultierende Zunahme des Individualverkehrs, sondern auch in der Wirtschaft, etwa durch hohe Erschließungskosten in Verkehrs- und Versorgungsinfrastruktur. (vgl. CIPRA International 2014, S. 7) Inwiefern ein Zusammenhang von Siedlungs- sowie Haushaltsformen und dem Mobilitätsverhalten festgestellt werden konnte, wird folgend kurz erörtert.

Die Verkehrsmittelwahl hängt stark vom Grad der Urbanisierung und der damit verbundenen Infrastruktur ab. Ist die Bevölkerungsdichte hoch, ist meist auch ein gutes Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln vorhanden. (vgl. VCÖ 2015, S.9) In der Schweiz konnte festgestellt werden, dass die Bevölkerungsdichte wesentlich mehr Einfluss auf die Wahl des Verkehrsmittels ausübt, als die Lage in einer eher zentralen oder eher peripheren Region. (vgl. Bubenhofer 2014)

Die „Energieraumplanung“ bzw. „energiesparende Raumplanung“, die als „jener integrale Bestandteil der Raumplanung [gesehen wird], der sich mit den räumlichen Dimensionen von Energieverbrauch und Energieversorgung umfassend beschäftigt“ (ÖROK u.a. 2014), trägt dazu bei, Zersiedelung entgegenzuwirken und somit das Mobilitätsverhalten zu einem nachhaltigen und energiesparenden zu lenken. Der Zersiedelung, welche Strukturen schafft die den Autoverkehr fördern, kann etwa durch Verdichtung, der Wiedernutzung innerörtlicher Brachfläche aber auch durch Siedlungsentwicklung an bestehenden leistungsfähigen Achsen des Öffentlichen Verkehrs (wie beispielsweise S-Bahn-Linien) gegengelenkt werden. (vgl. VCÖ 2015, S. 24)

Dicht besiedelter Raum fördert die Etablierung des Öffentlichen Verkehrs, stärkt Gehen und Radfahren und kann somit zu einem nachhaltigen und energiesparendem Mobilitätsverhalten führen.


Quellen


raumstudien OG - Perwein&Steidl: Ein Portrait im Magazin bonamea




Das „Stumperviertel“ – belebt, zentral und sympathisch


Das innerstädtische Grätzl „Stumpergasse“ im 6. Wiener Gemeindebezirk wird durch den Mariahilfer Gürtel, die Mariahilfer Straße, die Amerlingstraße und die Gumpendorfer Straße begrenzt. Zwei dieser „Begrenzungsstraßen“ befinden sich aktuelll im Wandel: Die Mariahilfer Straße, die im betreffenden Abschnitt im Jahr 2014 zur Begegnungs- und Fußgängerzone umgebaut wurde und die Gumpendorfer Straße, welche seit einigen Jahren im Fokus der Stadtteilentwicklung steht und durch diverse Initiativen wie „Die Gumpendorfer“ oder den Gumpendorfer Markt eine Aufwertung erfährt.

Wie aber sieht es im Herzen des Viertels aus? Wie wird dieses wahrgenommen? Im Rahmen dieser Studie wurde das Grätzl Ausgangspunkt einer Imageerhebung. Hierfür wurden BewohnerInnen des Grätzls (Selbstbild) sowie BewohnerInnen anderer Wiener Stadtteile (Fremdbild) aufgefordert, sich den Stadtteil in Erinnerung zu rufen und diesem in Folge Attribute zuzuweisen. Als Erhebungsgrundlage diente eine 5-stufige bipolare Rating-Skala mit adjektivischen Gegensatzpaaren.


Autorin: raumstudien OG - Perwein&Steidl 2015; Kartengrundlage: © OpenStreetMap-Mitwirkende; Datenquelle: Stadt Wien - data.wien.gv.at; erstellt in QGIS 2015

Die Ergebnisse zeigen eine starke Übereinstimmung von Fremd- und Selbstbild. Insgesamt wurden dem Viertel positive Eigenschaften zugeschrieben, so wird beispielsweise das Attribut „sympathisch“ von vielen Befragten mit dem „Stumperviertel“ assoziiert. Das Grätzl wird weiters als eher junges und zentrales Viertel wahrgenommen. Beim Attribut „sauber/unsauber“ unterscheiden sich Selbst- und Fremdbild:

Das „Stumperviertel“ wird von ansässigen BewohnerInnen eher als „schmutzig“ wahrgenommen als von Außenstehenden. Ebenso kann bei der Vielfältigkeit ein Unterschied erkannt werden: Die ansässigen Befragten nehmen das Viertel eintöniger wahr als BewohnerInnen anderer Wiener Stadtteile. Insgesamt kann schlussgefolgert werden, dass das „Stumperviertel“ das Image eines städtischen, interessanten, modernen, gemütlichen, sympathischen, zentralen, gepflegten aber auch teuren und engen Viertels besitzt.


Quellen


Die „Ankerbrotfabrik“ – kulturelle Impulse in Favoriten


Ankerbrotfabrik; © raumstudien 2015

Ankerbrotfabrik in Wien © raumstudien OG - Perwein&Steidl 2015

Die „Ankerbrotfabrik“ im 10. Wiener Gemeindebezirk, nahe des neu gestalteten Hauptbahnhofes, wurde seit 2009 zum neuen Kulturareal „Brotfabrik Wien“ entwickelt. Nur 15 Minuten vom Stadtzentrum entfernt, wurden auf ca. 17.000 Quadratmetern des stillgelegten Fabrik-Areals multifunktionale Hallen, Ateliers, Galerien, Schauräume, Büros, Lofts und Gastronomieeinrichtungen geschaffen.

Die Loft City GmbH & Co KG, welche die denkmalgeschützten, aber auch nicht-denkmalgeschützten Gebäude des historischen Teiles erhielt, verkauft(e) die Loft-Einheiten als Rohflächen an „Creative Industries“. Angesiedelt sind u.a. der Galerist Ernst Hilger, die Galerie OstLicht, die Agentur Anzenberger, der Verein Superar, die Medienakademie „Deutsche Pop“ und mehrere Caritas Projekte. Projekte, im Rahmen welcher stillgelegte Fabriken und Industriezentren zu kulturellen Einrichtungen umgewandelt und entwickelt werden, liegen im Trend. Die Seifenfabrik in Graz, die zu einem Veranstaltungszentrum umgebaut wurde, die Fabrik in Hamburg-Ottensen, die als erstes und eines der bekanntesten Kultur- und Kommunikationszentren Deutschlands gilt, stillgelegte Fabriken im Ruhrgebiet, die u.a. mit kulturellen Einrichtungen gefüllt wurden, sind nur einige Beispiele.

Ankerbrotfabrik; © raumstudien 2015

Ankerbrotfabrik in Wien © raumstudien OG - Perwein&Steidl 2015

Die Ankerbrotfabrik, beheimatet im Herzen eines historischen Arbeiterbezirks, bedarf eine entsprechende Integration in das Umfeld, um das Entstehen einer Kulturenklave zu verhindern. In Kooperation mit dem Betreiber wurden und werden von Seiten der Gebietsbetreuung Stadterneuerung (gbstern) Initiativen gesetzt, um AnrainerInnen auf das innovative Projekt aufmerksam zu machen und auch ihr Interesse an dem neuen Kulturangebot zu erwecken. Aufgrund dieser Initiativen und des sorgsamen Umgangs des Immobilienentwicklers mit der historischen Bausubstanz ist zu erwarten, dass die Transformationsprozesse im Viertel als Chance wahrgenommen werden und zu einer insgesamt positiven Entwicklung und sanften Aufwertung beitragen.


Quellen

VIDEO - raumstudien und die Immobilienbranche